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Rückblick: 5. Bürgermeistertreffen MünsterLandStadt

8. Dezember 2016

Impressionen vom 5. Bürgermeistertreffen am 21.11.2016 in Warendorf

Am 21. November erforschte der BDA mit Bürgermeistern und Dezernenten aus Münster und dem Münsterland die Zukunft des ÖPNV in der Region.

Schon zum fünften Mal diskutierten die Architekten mit Bürgermeistern und Planungsdezernenten aus Münster und den Umkreisen Denkanstöße aus Wissenschaft und Praxis zu Planungs- und Baukultur, Regional- und Stadtentenwicklung.

BDA-Vorsitzender Peter Bastian fuhr drei Wege durch die MünsterLandStadt, bevor er das Plenum im „Stadtteil“ Warendorf begrüßte. Der BDA diskutierte im Tagungshaus der Sparkasse Münsterland Ost, einem Entwurf des letztjährig verstorbenen Professor Dieter G. Baumewerd.

Foto W. Walterscheid
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Veranstaltungsort Tagungshaus der Sparkasse Münsterland Ost, Architekt Prof. Dieter G. Baumewerd

Heiner Farwick, Präsident des BDA Bund und selbst Gruppenmitglied, betonte in seinem Grußwort die Bedeutung von Baukultur für die Kommunen, ein Kernanliegen des BDA. Er rief die Bürgermeister auf, sie als „Chefsache“ anzupacken. Dazu zitierte er eine Rede von Johannes Rau, wonach in Übereinstimmung mit Adolf Loos und Max Frisch man Architektur anders als ein Bild nicht von der Wand abhängen oder wie ein Buch weglegen könne. Weil sie jedem fast überall begegnet, gehe sie auch jeden an. Daher sei kein Ort zu abgelegen, keine Bauaufgabe zu unbedeutend für Baukultur. Dafür tritt der BDA seit jeher ein und betreibt damit Standortpolitik, die auch durch die diesjährige Diskussion des ÖPNV in der MünsterLandStadt befördert.

Foto W. Walterscheid
Foto W. Walterscheid
Gespräche im Foyer mit dem BDA Präsidenten Heiner Farwick

Architekt und Journalist Stefan Rethfeld prägte im Bürgermeistertreffen 2015 den Begriff der „MünsterLandStadt“. Seine Betrachtung des Münsterlands als urbanes Kontinuum leitete seine Moderation ein. „MünsterLandStadt“ benennt den Raum, der sich in für Metropolen üblichen ÖPNV-Fahrzeiten nach und aus Münster erstreckt. Damit umfasst er gleichermaßen dicht bebaute wie naturnahe „Stadtteile“. Ihre so typische „Parklandschaft“ lässt sich so als „Stadtpark“ deuten, Teil städtischer Infrastruktur entsprechend dem in der EU diskutierten Begriff „Grüne Infrastruktur“. Statt Siedlungsstrukturen zu trennen, verbindet sie – auch durch den spezifischen Identifikationswert. In diesem Konzept kann Stadt reicher und vielschichtiger wahrgenommen ganzheitlich weiter gedacht werden. Die„Renaissance der Stadt“ ist hier keine bloße Wiederentdeckung, sondern prozesshafte Neuerfindung

Mobilitätsforscher Dr. Michael Frehn und Raumplaner Martin Randelhoff zeigten anhand der Trends zu E-Mobilität, Selbststeuerung und Digitalisierung Mobilitätsvisionen auf. So können beispielsweise Pedelecs den Fahrradverkehr weiter steigern. Als Seniorenvehikels verschrien, sind sie doch geeignet durch höhere Reichweiten weiteren Nutzer Fahrradfahren alltagstauglich zu machen Hier steht ein Umdenken zur Steigerung der Fahrradquote an. Diese Trends werden neue Siedlungsstrukturen formen. Besonders auch Velorouten, wie z.B. die von Duisburg bis Bergkamen eröffnen Korridore neuer Mobilität. Für die Stadtwerke Münster konkretisierten Dr. Dirk Wernike und Eckhard Schläfke die drei Trends (s.o.) und deren Synergien. Emissionsfreie E-Busse werden direkt in Gebäude hinein fahren können, was mehr Barriererfreiheit und Umstiegseffizienz ermöglicht. Dies wird architektonische Innovation anstoßen.

Foto W. Walterscheid
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Diskussionsrunde

Ein Oszillieren der Maßstäbe in der MünsterLandStadt zeigte auch die angeregte offene Diskussion der Vertreter ganz gegensätzlicher „Stadtteile“ mit übergreifenden Herausforderungen Die Beelener Bürgermeisterin beschrieb, für ihre mit 6.000 Einwohnern kleinsten Gemeinde im Kreis Warendorf dass sie wie Münster eine hohe Last von PKW-Einpendlern trägt , da sie mit 2.000 Arbeitsplätzen zu den Wirtschaftsmotoren der Region gehört – ein „hidden champion.“ Als Dorf mit urbanem Potenzial stützt Beelen das Modell der MünsterLandStadt als ein Netzwerk statt der üblichen Betrachtung Zentum – Umland. Gerade für wenig verdichtete Kommunen in den Erschließungs-„Kapilaren“ könnten z.B. „Drive-in“-Gebäude Haltestellen einsparen helfen. Gleichzeitig erreichen Verkehrsteilnehmer direkt ihr Ziel. Solche Punktlandungen sind wertvoll, um Wege als multimodale Ketten zu optimieren. Soziale Teilhabe in der alternden Gesellschaft bekommt so Fahrt. Da Potentiale der skizzierten Entwicklungsfaktoren E-Mobilität, Digitalisierung und Autonomisierung einschließlich ihrer Wechselwirkungen kaum vorhersehbar sind, macht es Sinn, die MünsterLandStadt so zu integrieren, dass neues Denken von Raum und seiner Bewegung Luft bekommt. Maßstabsgrenzen können in Fluss kommen, von Nachbarschaften bis zum Europa der Regionen

Foto W. Walterscheid
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Podiumsdiskussion

Das Bürgermeistertreffen 2016 signalisierte den Kommunen, dass Zukunftsmobilität. konzeptionelles Denken erfordert, kein bloßes Verwalten.

Die MünsterLandStadt in Bewegung zu setzen, muss „Chefsache“ sein.

Der BDA wird sich in den kommenden Bürgermeistertreffen weiteren „Chefsachen“ der MünsterLandStadt widmen. Sie bleibt Anker gegen das drohende „Restfalen“ gegenüber der Metropolregion Rhein- 2017 wird der BDA das Stadtkonzept um mit einem neuen Thema bereichern.

Foto W. Walterscheid
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Plenum des Bürgermeistertreffens, (stehend) Bürgermeisterin Elisabeth Kammann, Gemeinde Beelen

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